DENKEN

In meiner Forschung beschäftige ich mich immer wieder mit Grenzgängern, mit Menschen, die bewusst oder unbewusst die kulturellen, politischen, und technologischen Grenzen ihrer Zeit herausfordern. Von den literarischen JournalistInnen der 68er, für die eine Grenze zwischen Fiktion und Journalismus nicht mehr galt, bin ich so bei den Liquid Democracy-ProgrammiererInnen des jungen Jahrtausends gelandet, die Demokratie neu denken. Dank meiner interdisziplinären Ausbildung arbeite ich immer wieder an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und werde so selbst zur Grenzgängerin.

 

DISSERTATIONSPROJEKT LIQUID DEMOCRACY

Anfangs als Allheilmittel gegen Politikverdrossenheit gehandelt und später als Tyrannei der Masse verteufelt, steht das Konzept Liquid Democracy prototypisch für viele Entwicklungen, die die letzten zehn Jahre Internet geprägt haben. Die Utopie einer digitalen Beteiligungsdemokratie durchläuft die Fennsche Hype-Kurve. Zehn Jahre Piratenpartei, Online-Beteiligung und Systemverbesserung sind Anlass Resümee zu ziehen und eine "Geschichte des Scheiterns" neu zu erzählen.

 

In meiner Doktorarbeit bearbeite ich Ergebnisse aus vier Jahren politikwissenschaftlich-ethnografischer Feldforschung, in denen ich die Liquid-Akteure begleitet, interviewt und analysiert habe. Ich zeige, wie ein kleiner Kreis Berliner Visionäre und MacherInnen unser Verständnis politischer Beteiligung erweitert, ohne das wir es so richtig gemerkt haben, und beantworte so mit einer aufmunternden Einschätzung die kritische Frage, die mir einer der Liquid-Entwickler stellte: „Operation gelungen, Patient tot?“

 

Mehr Infos: Anja Adler: Liquid Democracy als Social Software für Parteien (FJSB 2/2013, S. 71-83).

 

Ich bedanke mich für die Förderung durch das Promotionsstipendienprogramm der NRW School of Governance

 

ANGEWANDTE FELDFORSCHUNG DIGITAL-SOZIALER INNOVATIONEN

Wie kann man das Internet und die Digitalisierung nutzen, um die Welt zu verbessern? Vereinfacht gesagt, ist das die Frage die sich der Think-Do-Tank Betterplace Lab zur Aufgabe macht, dessen Team ich in den letzten drei Jahren forschend und beratend begleitet habe. Mit digitalen Trends im Gepäck kam ich so 2014 beispielsweise vom "Lab Around the World" aus Brasilien zurück, den Koffer voll mit Begeisterung und spannenden Geschichten aus Favelas, über Datenschutz und von Medien-Ninjas und OnibusHackern.

 

Mit der Frage, wie Online-Trends den Stiftungssektor verändern, habe ich mich zuvor für das Lab und die Stiftung Mercator beschäftigt, bin quer durch die USA getourt, um zehn der größten Stiftungen selbst zu befragen und darauf hin zu reflektieren, was in Deutschland gerade passiert. Auf der Konferenz labtogether habe ich meine Ergebnisse in zwei Vorträgen in 2013 und 2012 vorgestellt. Einen ausführlichen Reisebericht zu den Stiftungsbesuchen in den Staaten habe ich für die Glasspockets-Initiative geschrieben. Mehr Infos findet man außerdem auf der neuen Seite des Betterplace Trendradars.

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